„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Johann Wolfgang von Goethe
„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“Johann Wolfgang von Goethe 

Januar 2019

"Sapere aude"

[deutsch: "Habe Mut, dich deines  eigenen Verstandes  zu bedienen"]

oder

Wie war eigentlich Immanuel Kant?

Aufgrund seiner äußeren Erscheinung wirkte der große Philosoph Immanuel Kant eher unscheinbar: er war nur 1,57m groß, zierlich, mit leicht melancholischem Blick und hatte einen etwas eingefallenen Brustkorb.

Kant wurde am 22.04.1724 in der weltoffenen Handelsstadt Königsberg, an der Ostsee geboren. Obwohl Kant nahezu sein ganzes Leben in Königsberg verbrachte, war er ein weltoffener Mensch. Kant war das vierte von neun (einige Quellen sprechen auch von 11) Kindern einer Handwerkerfamilie. Sein Vater war Riemenmeister, der Vater der Mutter ebenso. Kants Mutter war sehr auf die Bildung ihrer Kinder bedacht. Seine Mutter, so Kant, war „eine Frau von großem, natürlichem Verstande, einem edlen Herzen und einer echten, durchaus nicht schwärmerischen Religiosität. Ich werde meine Mutter nie vergessen, denn sie pflanzte und nährte den ersten Keim des Guten in mir, sie öffnete mein Herz den Eindrücken der Natur; sie weckte und erweiterte meine Begriffe, und ihre Lehren haben einen immerwährenden, heilsamen Einfluß auf mein Leben gehabt.“ Der 6jährige Kant bewunderte beispielsweise, gemeinsam mit seiner Mutter, bei einem abendlichen Spaziergang den Sternenhimmel. Kants Mutter erklärt ihm alles, was sie über die Natur wusste.

Als Pietisten achteten die Eltern zudem auf Werte wie Sparsamkeit, Arbeit, Ehrlichkeit und Frömmigkeit. „Nie, auch nicht ein einziges Mal“, äußerte Kant wiederholt gegenüber seinem Biographen Borowski, „hab' ich von meinen Eltern irgendetwas Unanständiges anhören dürfen, nie etwas Unwürdiges gesehen- beide lebten in Rechtschaffenheit und sittlicher Anständigkeit und Ordnung. Ohne ein Vermögen, aber auch keine Schulden zu hinterlassen, haben sie mir eine Erziehung gegeben, die von der moralischen Seite betrachtet, gar nicht besser sein konnte.“. Immanuel Kant wurde sehr liebevoll erzogen- im Gegensatz zur Schule. Dort herrschte ein strenges Regiment, erinnerte sich Kant noch viele Jahre später.

Die erste Schule, die der kleine Immanuel besuchte, war die, in der hinteren Vorstadt gelegene, etwa sieben Minuten von seinem Elternhaus entfernte, Elementarschule. Im Alter von 8 Jahren besucht Kant bereits das Gymnasium Fridericianum in Königsberg und erlernt u.a. klassische Sprachen. Dann stirbt Kants Mutter.

Im Alter von 16 Jahren beginnt Immanuel Kant sein Studium an der Albertus Universität in Königsberg. Er studiert Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie. Kant hatte fast nie Geld. Während des Studiums spielt er deshalb oft Karten und Billard. So konnte er sich wenigstens etwas Geld verdienen. Kant soll ein geselliger Typ gewesen sein, war bekannt für seinen trockenen Humor und trug immer modische Kleidung. Er war aber auch ein sehr guter Student. Bereits mit 22 Jahren veröffentlicht er seine erste Schrift: Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte. Dann stirbt Kants Vater. Immanuel Kant unterbricht sein Studium und arbeitet 10 Jahre lang u.a. als Hauslehrer- er muss seine Geschwister versorgen. Doch, trotz aller Widrigkeiten  nimmt Kant sein Studium 1754 wieder auf.

1755 beginnt seine erste große produktive Phase: am 17.4.  reicht er an der Philosophischen Fakultät seine Promotionsschrift „de igne“ ein, am 13.5. findet das „examen rigorosum“, am 12.6. der öffentliche Promotionsakt statt, über den die „Königsberg. Frag- und Anzeigungs-Nachrichten“ eingehend berichten. Schon dreieinhalb Monate später, am 27.9.1755, erfolgt Kants Habilitation mit der Schrift „Principiorum primorum cognitionis metaphysicae nova dilucidatio“.

Jetzt kann Kant als Privatdozent unterrichten. Er unterrichtet Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, Natürliche Theologie, Mathematik, Physik, Mechanik, Geografie, Anthropologie, Pädagogik und Naturrecht. Kants Vorlesungen finden starkes Interesse (z.B.: bei Johann Gottfried Herder: „Mit dankbarer Freude erinnere ich mich aus meinen Jugendjahren der Bekanntschaft und des Unterrichts eines Philosophen, der mir ein wahrer Lehrer der Humanität war […] Seine Philosophie weckte das eigne Denken auf, und ich kann mir beinahe nichts Erleseneres und Wirksameres hierzu vorstellen, als sein Vortrag war.“) Kant konnte, in einem eigens dafür angemieteten Haus, ca. 80 Studenten unterrichten. Sein großer Traum ist, an seiner Universität in Königsberg zu dozieren. Er lehnt deshalb Angebote anderer Universitäten, wie der berühmten Universität Halle, der Universitäten Jena und Erlangen ab.

Wieder ein paar Monate später erscheinen in kurzem Abstand drei kleinere, allgemeiner gehaltene naturwissenschaftliche Abhandlungen. Am 23.3.1756 reicht Kant an der Philosophischen Fakultät seine dritte Dissertation ein.

Doch mit 40 Jahren bemerkt Kant immer öfter gesundheitliche Probleme und schlussfolgert, dass er mit seiner Gesundheit haushalten muss. In dieser Zeit soll er auch kurz an Eheschließung gedacht haben. Geheiratet hat Kant aber nie: entweder er war zu schüchtern oder zu beschäftigt, oder beides- vielleicht reichten auch seine finanziellen Mittel nie, um eine eigene Familie zu gründen und ernähren zu können. Immanuel Kant blieb zwar ledig, so dass ihn im Alter seine Schwester versorgen musste, jedoch weiß man aus Briefen, dass die Schönheiten der Stadt (wie zum Beispiel die Bankiersgattin Maria Charlotte Jacobi) jahrelang eine enge Freundschaft zu Kant unterhielten.

Auf jeden Fall muss das vierzigste Lebensjahr für Kant einschneidend gewesen sein: noch Jahre später spricht er davon, dass der Mensch erst mit etwa 40 Jahren einen Charakter entwickelt und nach Maximen, also festen Regeln handelt. In seiner „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht" (1798) schreibt Kant, dass der Mensch im Alter von 40 Jahren seinen Reifungsprozess abgeschlossen hat. Erst jetzt komme es zur „Gründung des Charakters“. Der Charakter, so Kant, ist die „praktische konsequente Denkungsart nach unveränderlichen Maximen", KpV 2. T. (II 192).

Kant selbst beginnt in diesem Alter nach einem streng geregelten Tagesablauf zu leben: morgens um 4:45 Uhr lässt er sich von seinem Hausdiener, dem ausgemusterte Soldat Martin Lampe, mit den Worten: „Es ist Zeit!“ wecken. Dem äußerst sparsamen Frühstück folgt die Arbeit an seinen Werken und die Vorbereitung seiner Vorlesungen. Zum Mittagessen lädt er sich Freunde ein und pflegt die Geselligkeit, vermeidet dabei aber philosophische Themen- zur Suppe gehts es ums Informieren, zum Braten dann um das Räsonieren, zum Nachtisch darf gescherzet werden. Punkt 19.00 Uhr tritt Kant dann seinen berühmten Spaziergang an, nach dem, so erzählt man sich, die Königsberger ihre Uhren stellten. Sollte einmal die Kirchenuhr eine Minute von Kants Auftauchen an einer bestimmten Stelle seines Spaziergangs abweichen, war man sicher, dass nicht Kant zu früh oder spät war, sondern nur die Uhr falsch gehen konnte. Nach dem Spaziergang las Kant noch ein wenig. Um Punkt zehn Uhr ging er dann, nachdem er sich auf komplizierte Art zugedeckt hatte, schlafen. Kant (so heißt es) musste immer gerade auf dem Rücken liegend einschlafen.

Dann endlich mit 46 erhält Immanuel Kant an der Universität in Königsberg eine Professur. Er arbeitet als Professor für Logik und Metaphysik. Sechzehn Jahre später ist er Rektor dieser Universität. Kant gibt u.a. Vorlesungen in Theologie, Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, Mathematik, Physik, Geographie, Anthropologie und Pädagogik. Seine wichtigsten Werke schreibt Kant erst in seinem 6. und 7. Lebensjahrzehnt *. In den letzten 15 Jahren hat er dabei regelmäßig Probleme mit der Zensurbehörde: man wirft ihm Herabwürdigung des Christentums vor. Kant beginnt deshalb, seine Vorlesungstätigkeit einzuschränken. Aus gesundheitlichen Gründen gibt er die Vorlesungen ab 1796 ganz auf. 1801 zieht er sich ganz aus den akademischen Ämtern zurück.

Schwer dement stirbt Immanuel Kant am 12.02.1804 fast 80-jährig. Einer der größten Aufklärer verliert am Ende seines Lebens all das, wofür er sich zeit seines Lebens eingesetzt hatte: seine Vernunft, seinen Verstand und seine Autonomie. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Es ist gut.“

Immanuel Kants Grabmal befindet sich an der Außenseite des Königsberger Doms, in der sogenannten Stoa Kantiana im heutigen Kaliningrad, in Russland.

Kant schuf eine eigene Philosophie, mit der er versucht, auf folgende Schlüsselfragen einer, seiner Meinung nach, guten Philosophie zu antworten:

1.     Was kann ich wissen?

2.     Was soll ich tun?

3.     Was darf ich hoffen?

4.     Was ist der Mensch?

Diese Fragen bearbeitet Kant jeweils durch seine Erkenntnistheorie, seine Moralphilosophie und seine Religionsphilosophie. Kant verfasst in seiner kritischen Periode zu jedem dieser Bereiche einen grundlegenden Text. Er versucht damit, die in philosophischer Hinsicht zentrale Frage: „Was ist der Mensch?“ zu beantworten. Eine empirische Antwort auf selbige Frage versucht Kant mit seiner „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“.

*

 

vorkritische Phase

(bis 1783)

 

 

kritische Phase

 

 

 

nachkritische Phase

(nach 1790)

 

 

Meditationum quarundam de igne succincta delineatio

(1. Dissertation-1755)

 

 

 

Was ist Aufklärung

(1783)

 

Die Religion innerhalb der

Grenzen der bloßen Vernunft

(1793)

 

 

Versuch einiger

Betrachtungen über den Optimismus (1759)

 

 

Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

(1785)

 

 

 

Zum ewigen Frieden

(1795)

 

 

Der einzige mögliche

Beweisgrund zu einer

Demonstration des Daseins Gottes (1763)

 

 

 

Kritik der reinen Vernunft (1781/ 1787 2. Auflage)

 

Ausgleichung eines auf

Mißverstand beruhenden mathematischen Streits

(1796)

 

Betrachtungen über das

Gefühl des Schönen und Erhabenen

(1764)

 

 

 

Kritik der praktischen Vernunft

(1788)

 

 

 

Die Metaphysik der Sitten (1797)

 

 

Von den verschiedenen Rassen der Menschen

(1775)

 

Kritik der Urteilskraft

(1790)

 

 

 

Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

(1798)

 

 

 

 

 

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Quellen:

Ackner, J. und Fischbach D.: Immanuel Kant. Biografie. BUCHFUNK Verlag. Leipzig. URL: http://immanuel-kant. net/.  abgerufen am 27.12.2018

Grondin, J. (1994): Kant zur Einführung. Junius Verlag. Hamburg.

Helm, D., Immanuel Kant - Lebenslauf | Biographie, Immanuel Kant. URL: http://daniel-von-der-helm.com/kant/kant-lebenslauf-biographie.html. abgerufen am: 05.01.2019

Hinske, Norbert (1977): Kant, Immanuel in: Neue Deutsche Biographie 11 S. 110-125 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118559796.html#ndbcontent, abgerufen am: 05.01.2019

Müller, S. (2016): Immanuel Kant. Leben und Werk. Focus online. URL: https://www.focus.de/wissen/ mensch/ philosophie/immanuel-kant-leben-und-werk_id_5604602.html. abgerufen am: 27.12.2018

Plasse, W.: Immanuel Kant: Philosoph und Denker [Geolino]. URL: https://www.geo.de/geolino/ mensch/ 1437-rtkl-weltveraenderer-immanuel-kant. abgerufen am: 09.12.2018

Spiegel ONLINE: Projekt Gutenberg.de. Immanuel Kant.  URL: http://gutenberg.spiegel.de/autor /immanuel-kant-310 abgerufen am: 27.12.2018

Vorländer, K. (1924): Immanuel Kant. Der Mann und das Werk. Textlog.de. URL: https://www.textlog.de /35596.html. abgerufen am: 27.12.2018.

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