„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Johann Wolfgang von Goethe
„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“Johann Wolfgang von Goethe 

März 2017

Woher die Hyazinthe ihren Namen hat…

oder die Frage nach Schuld, Rache und Verzeihen

*Vor genau 250 Jahren bekam der 11-jährige Wolfgang Amadeus Mozart von der Universität Salzburg den Auftrag, ein Schulstück zu komponieren. Die Universität Salzburg, genauer gesagt das Gymnasium der Uni, hatte, wie jedes Jahr zum Ende des Schuljahres, die Aufführung eines klassischen Werkes geplant.

Dieses Werk sollte sich (so war es im Salzburger Benediktinischen Universitätsgymnasium üblich) mit der Thematik eines „schuldlos schuldig“ Gewordenen und der Frage nach Schuld, Rache und Verzeihen beschäftigen. Grundlage sollte ein klassisches Werk sein.

Im Schuljahr 1767 wurde deshalb von den Gymnasiasten verlangt, das in lateinischer Sprache verfasste Versdrama „Clementia Croesi“ aufzuführen. Der Autor dieses Werkes war Rufinus Widl- Uni-Professor für theoretische Philosophie. Widl hatte Ovids „Apollo und Hyacinthus“ neu interpretiert und in lateinischer Sprache verfasst.

Dieses Werk aufzuführen stellte für die Gymnasiasten eine außerordentlich schwierige Aufgabe dar. Deshalb baten sie den jungen Mozart um Unterstützung. Wieso?

Der Sohn von Leopold Mozart galt zu seiner Zeit als Wunderkind:

mit vier Jahren bekam er vom Vater den ersten allgemeinbildenden und Musikunterricht (Klavier, Violine und Komposition). Mit Fünf schreibt er dann seine erste Komposition, die den Vater "umwirft". Leopold Mozart beschließt daraufhin, auf die eigene Karriere zu verzichten und lieber den Sohn zu fördern. Im Alter von 6 Jahren beginnt für den jungen Wolfgang eine Zeit des Reisens: als erstes (im Sommer 1763) die große Westeuropa-Tournee. Diese führt ihn über Deutschland, Belgien und Frankreich nach London an die glanzvollsten Fürstenhöfe seiner Zeit. In München und Wien feiert die Familie Mozart große Triumphe. Auch auf einer darauffolgenden Italienreise erzielt Mozart viele Erfolge: er wird Mitglied der Academia Filarmonica in Bologna und bekommt von Papst Clemens XIV. den Orden vom Goldenen Sporn. Die Aufführung von Mozarts erster, für Italien komponierten Opera seria "Mitridate, Re di Ponto" KV 87, findet in Mailand außerordentlichen Beifall.

Zwischen diesen beiden Reisen wird Mozart also gebeten, das Drama „Clementia Croesi“ zu vertonen. Zunächst hatte Mozarts Stück nicht einmal einen Titel. Erst nach seinem Tod (im Alter von 35 Jahren!) gab Mozarts Vater diesem Stück die Bezeichnung „Apollo et Hyacinthus seu Hyacinthi Metamorphosis“, kurz: „Apollo et Hyacinthus (KV 38)“.

Worum geht es nun eigentlich in „Apollo und Hyacinthus“ von Ovid:

(frei nacherzählter Mythos)

Sportunfall

Der junge, bildschöne Gott Apollo verliebt sich in einen ebenso schönen Prinzen aus Sparta- in Hyacinthus (griech. Hyakinthus). Hyacinthus wird bald Apollos heiß geliebter Freund. Beide Männer verbringen jede Minute miteinander: sie belustigen sich, jagen zusammen und treiben zusammen Sport. Als nun Hyakinthus, beim Diskurswerfen, der von Apollon geschleuderten Wurfscheibe nachläuft, um sie aufzuheben, prallt die Scheibe vom Boden zurück und trifft ihn tödlich am Kopf. Apollo ist verzweifelt und will die entweichende Seele des Geliebten aufhalten. Doch da Hyacinthus tödlich verletzt wurde, ist dies unmöglich. Apoll wünscht sich, mit ihm zu sterben. Doch auch das ist für Götter unmöglich. Deshalb beschließt Apollo- Gott der Schönheit und des Lichts- Hyacinthus‘ Blut in eine purpurne Blume mit der passenden Inschrift AI AI (einem Klageruf) zu verwandeln. (Mythen, die eine Verwandlung enthalten, nennt man auch Metamorphosen.) Auf dem Sterbebett verspricht er ihm Gesänge bis in alle Ewigkeit*.

 

Worin besteht nun der Unterschied bei Wirl?

Eifersuchtsdrama

Apollo verliebt sich in Melia, Tochter des Oebalus, König von Lakedämonien/Sparta. Der junge Gott verliebt sich aber auch in den Lustknaben und Königssohn Hyacinthus. Dadurch wird die Eifersucht von Hyacinthus' geliebten Freund Zephyrus, dem Gott des Westwindes, entfacht. Erschwerend kommt hinzu, dass Zephyrus auch in Melia verliebt ist.

Bei einem Diskusspiel verletzt Zephyrus (der Westwind) Hyacinthus schwer. Er behauptet, Apollo wäre der Angreifer gewesen. Auf diese Weise will er Melia von Apollo, dem jetzt vermeintlichen Mörder ihres Bruders, abbringen. Apollo verjagt daraufhin den Westwind. Trotzdem glaubt Melia (bereits Braut von Apollo) dass ihr Zukünftiger schuld ist und weist ihn ab. Zum Glück kann der sterbende Hyacinthus noch für Aufklärung sorgen. Den Geliebten verwandelt Apollo nach dessen Tod in ein Meer von Hyazinthen und gewinnt schließlich die Liebe Melias zurück.

Quellen:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/metamorphosen-4723/47 (Originaltext)

http://www.telemachos.hu-berlin.de/materialien/ovidprojekt/neue_kammern/reliefs_und_mythen/apoll_und_hyacinthus.htm

https://metamorphoseon.wikispaces.com/Verwandlungen+-+Hyacinthus

https://de.wikipedia.org/wiki/Apollo_et_Hyacinthus

https://www.yumpu.com/de/document/view/7242327/apoll-und-hyacinthus-aus-ovids-metamorphosen

https://www.youtube.com/watch?v=L61pvXU6I1E

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© Martina Reinicke