„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Johann Wolfgang von Goethe
„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“Johann Wolfgang von Goethe 

April 2017

Aprilscherze

Keiner weiß so recht, woher der Brauch des Aprilscherzes stammt.

Doch nach umfangreichen Recherchen ist es mir endlich gelungen, Licht ins Dunkel zu bringen. Folgende germanische Sage gibt Aufschluss über die Herkunft des Aprilscherzes…

 

 

Alles begann mit Thor...

 

Thor war der Sohn des Göttervaters Odin. Sein besonderes Zeichen war, dass er stets einen Hammer in der rechten Hand trug, der, kaum hatte er ihn geworfen, immer wieder zu ihm zurückkehrte. Thor, den viele auch Donar nannten, war der Donnergott, der vor allen Dingen auf der Seite der Schwachen stand.

 

Eines Morgens bemerkte Thor mit Schrecken, das sein Hammer fehlte. Vergebens durchsuchte er, wild sich den Bart raufend, alle Räume seines Hauses.

Da kam Loki, der listenreiche Gott, daher. Er konnte sein schadenfrohes Lächeln kaum verbergen, als Thor ihm sein Missgeschick erzählte. »Die Riesen werden ihn gestohlen haben«, versetzte Loki jedoch gleichmütig. »Wenn du willst, werde ich bei ihnen nachforschen. « Und Thor willigte ein.

Von Frigga entlieh sich der verschlagene Loki das Federgewand, flog nach Riesenheim und brachte schnell in Erfahrung, dass der Riese Thrym, der König der Unholde, den Hammer gestohlen und acht Meilen tief unter der Erde verborgen hatte.

»Nur um einen Preis werde ich den Hammer herausgeben«, rief der Riese hohnlachend; »nur wenn Frigga, die schönste Göttin, meine Frau wird! «

Als Loki den Asen diese Forderung überbrachte, schrie Frigga auf vor Scham und Zorn, und in großer Sorge versammelten sich die Götter und hielten Rat; denn wenn Thor den Hammer nicht zurückerhielt, so drohte für Asgard der Untergang.

Widerstrebend ließ Thor sich schließlich durch Odins klugen Sohn Heimdall, der als Gott des Frühlichts auch der Wächter des Himmels ist, zu einer List überreden. Als Braut verkleidet, sollte er in Friggas Gewand und Schmuck nach Riesenheim ziehen und selber den Hammer holen. Loki, der verschlagene Gott, erbot sich, ihn als seine Dienerin zu begleiten.

Voller Freude empfing der Riese Thrym die Braut, die tief verschleiert vor ihn trat. Er ließ sogleich ein Festmahl herrichten. Man nahm mit den Gästen in der Halle Platz und tat sich gütlich bei fettem Ochsenbraten und schäumendem Met. Mit Verwunderung sahen Thrym und seine Gäste, wie die vermeintliche Braut einen ganzen Ochsen, dazu acht Lachse verzehrte und drei Kufen Met hinuntergoss.

»Acht Tage lang hat meine Herrin nicht gegessen, so sehr quälte sie die Sehnsucht nach dir! « sagte der kluge Loki zur Erklärung des seltsamen Gebarens.

Das hörte der Riese gern. Mit plumpen Fingern lüftete er ein wenig den Schleier, um das holde Antlitz der Braut zu sehen. Doch entsetzt fahr er zurück vor den Augen, die wie loderndes Feuer blitzten. »Meine Herrin«, versetzte der als Magd verkleidete Loki, »hat acht Nächte kein Auge geschlossen, so sehr verzehrte sie das Verlangen nach dir. «

Solche Worte erfreuten Thrym sehr, darum rief er befehlend: »Bringt jetzt den Hammer des mächtigen Thor! «

Wie frohlockte Thor in seinem Herzen, als man ihm, der vermeintlichen Braut, feierlich den Hammer als Hochzeitsgabe in den Schoß legte!

Mit ingrimmiger Wut ergriff er den Hammer, wog ihn in der Hand und schleuderte ihn gegen den Riesen Thrym, so dass dieser mit zerschmettertem Schädel von seinem Sitz sank. Der starb auf der Stelle. Nun aber gab es kein Halten mehr und Mjölnir, so der Name des Hammers, tat sein Werk und vernichtete die ganze Familie Thryms.

Der Himmel lachte und donnerte zugleich, als Thor und Loki vom rauhen Riesenheim hinauffuhren zu Asgards leuchtenden Höhen*. Auf der Fahrt beschlossen beide, die List und das Veralbern zum Volksbrauche zu machen. „Möge jeder unter der Sonne, auch der Schwächste, zu Wandelmond diese Art der Freude empfangen und Scherze treiben“, rief Thor.

 

*siehe auch http://gutenberg.spiegel.de/buch/nordische-sagen-23/4

Martina Reinicke (1.April 2017)

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Martina Reinicke